Diese Übersicht beruht auf öffentlich zugänglichen Informationen mit Stand 27. April 2026 und wird laufend aktualisiert.
Die Frist
Artikel 5a der überarbeiteten eIDAS-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1183) verpflichtet jeden Mitgliedstaat, seinen Bürgern, Einwohnern und juristischen Personen bis zum 24. Dezember 2026 mindestens eine EUDI-Wallet bereitzustellen. Die anschließenden Verpflichtungen aus Artikel 5f sind in vielerlei Hinsicht folgenreicher: Bis Ende 2027 müssen Banken und andere relying parties in regulierten Sektoren — Zahlungsdienstleister, Telekommunikationsunternehmen sowie alle Dienste, die zur starken Nutzerauthentifizierung für die Online-Identifizierung verpflichtet sind — die Wallet auf Wunsch des Nutzers akzeptieren (Artikel 5f Absatz 2). Sehr große Online-Plattformen, die nach dem Digital Services Act benannt sind, fallen unter eine parallele Verpflichtung in Artikel 5f Absatz 3 für die Nutzerauthentifizierung auf ihren Diensten. Die Seite der Kommission zur Umsetzung der EUDI-Wallet führt die Rechtsarchitektur und die seit November 2024 erlassenen Durchführungsrechtsakte auf. Acht Monate vor der Bürgerfrist und rund zwanzig Monate vor der Akzeptanzpflicht ist das Bild in den 27 Mitgliedstaaten alles andere als einheitlich.
Methodik
Wir ordnen jeden Mitgliedstaat einer von vier Stufen zu:
- Stufe 1 — Live oder fast live: Eine Wallet ist heute in Bürgerhand, auch wenn sie offiziell noch im Beta-Stadium ist, und mindestens ein realer Anwendungsfall funktioniert.
- Stufe 2 — Öffentliche Beta oder Sandbox: Eine nationale Wallet existiert in testbarer Form (Entwickler-Sandbox, kontrollierter Pilot oder begrenzte Verbraucher-Beta), ist aber noch kein allgemein nutzbares Bürgerwerkzeug.
- Stufe 3 — Im Plan, öffentliches Testing: Es gibt einen glaubwürdigen Startplan mit Terminen sowie nachweislich laufendes Testing oder Stakeholder-Einbindung.
- Stufe 4 — Verspätet oder unklar: Kein verbindlicher öffentlicher Zeitplan, keine veröffentlichte Architektur, oder bekannter Verzug, der den Termin Dezember 2026 ernsthaft gefährdet.
Bewertet wird anhand von: (i) öffentliche Startankündigung mit Datum oder Programm, (ii) verifizierter Pilot- oder Beta-Zugang (Bürger, Unternehmen oder Entwickler können tatsächlich testen), (iii) operativer oder im Pilotbetrieb befindlicher Artikel-5b-Register für relying parties und (iv) Verfügbarkeit eines SDK für Händler oder Verifier. Wir stützen uns ausschließlich auf öffentliche Quellen — offizielle Regierungsseiten, Branchen-Tracker und namentlich genannte Stakeholder-Berichte. Unbestätigte Anbieterangaben oder Marketingunterlagen fließen nicht in die Bewertung ein.
Stufe 1 — Live oder fast live
Italien — IT-Wallet (live in der IO-App)
Italien ist der EU-Vorreiter. Über die IO-App können italienische Bürger bereits Führerschein, Europäische Krankenversicherungskarte (TS-CNS) und Personalausweis digitalisieren. Die Wallet liegt in den Händen von Millionen Nutzern und durchläuft seit Anfang 2026 Beta-Tests für weitere Credential-Typen. Der regelmäßig aktualisierte Status-Check zum EUDI-Wallet-Rollout von Namirial bezeichnet IT-Wallet als die fortgeschrittenste nationale Implementierung im Block, mit bereits live laufenden Authentifizierungsflüssen im öffentlichen Sektor. Italienische relying parties — kommunale Dienste, Gesundheitsportale und eine wachsende Zahl privatwirtschaftlicher Identitätsprüfungsflüsse — verfügen über Integrationsdokumentation, der ein externer Entwickler ohne maßgeschneidertes Onboarding folgen kann. Offene Fragen betreffen die grenzüberschreitende Interoperabilität mit Wallets anderer Mitgliedstaaten, nicht die Frage, ob Italien den Termin Dezember 2026 hält. Für Händler außerhalb Italiens ist IT-Wallet die einzige sinnvolle Lernumgebung, denn nur hier lassen sich End-to-End-Tests gegen reale Credentials echter Nutzer fahren.
Luxemburg — Pilot abgeschlossen
Luxemburg ist die kleinere Überraschung. Das Land beteiligte sich am POTENTIAL Large-Scale-Pilot, der seine Arbeit Ende 2025 abschloss und im November berichtete. Eine nationale Wallet-Ankündigung steht aus, doch die technischen Grundlagen sind gelegt, der politische Rahmen ist klar finanziert, und die geringe Bevölkerungszahl macht einen sauberen Rollout operativ handhabbar — anders als in Deutschland oder Polen. Mit einer öffentlichen Rollout-Ankündigung ist innerhalb der nächsten beiden Quartale zu rechnen. Luxemburg ist zudem strategisch relevant wegen seiner überproportionalen Bedeutung in den EU-Finanzdienstleistungen: Eine dort funktionierende Wallet wird früher als in den meisten Mitgliedstaaten gegen Banking- und Asset-Management-Flüsse getestet, was nützliche Artikel-5b-Präzedenzen für den gesamten Block schafft.
Stufe 2 — Öffentliche Beta oder Sandbox
Frankreich — France-Identité-Sandbox
Frankreich hat die France-Identité-Entwickler-Sandbox ausgeliefert, mit dokumentierter Unterstützung für die Vorlage von PID (Personenidentifikationsdaten) sowohl in Proximity-Flüssen (vor Ort, NFC oder QR) als auch in Online-Flüssen. Die Sandbox reicht für Verifier-Integrationstests aus und wurde bereits von mehreren großen französischen relying parties — insbesondere Banken und staatlichen Diensten — zur Prototypisierung von OpenID4VP-Flüssen genutzt. Was Frankreich noch nicht hat, ist eine bürgerreife Wallet im Stil von IT-Wallet. Die aktuelle France-Identité-App ist eine digitale Identität, keine vollständige EUDI-Wallet, und der Migrationspfad zur vollen Artikel-5a-Wallet wird noch öffentlich präzisiert. Frankreich befindet sich auf einem klaren Pfad, ist aber noch nicht in Stufe 1. Die politische Präferenz für einen souveränen französischen Stack — sichtbar in der ausdrücklichen Positionierung von France Identité gegen US-gehostete Alternativen — wird die französischen Rollout-Entscheidungen distinkt halten, auch wenn der weitere EU-Rahmen konvergiert. Bemerkenswert ist auch die französische Eigenständigkeit in der Altersverifikationspolitik: Die ARCOM treibt einen eigenen Anforderungskatalog für altersbeschränkte Online-Dienste voran, der sich nicht eins-zu-eins mit dem EUDI-Wallet-Rahmen deckt und französische Händler vor zusätzliche Compliance-Entscheidungen stellt.
Spanien — Cartera Digital plus Königliche Münze
Spanien fährt zwei parallele Stränge. Das Programm Cartera Digital ist die wichtigste verbraucherorientierte Anstrengung, während die Königliche Münze Spaniens (Fábrica Nacional de Moneda y Timbre) Wallet-Credentials in einer kontrollierten Hochschulumgebung testet, vorrangig für akademische Credentials und Studierendenausweise. Die schwierigere Aufgabe in Spanien ist die Brücke vom alten Smartcard-System DNI electrónico zum neuen EUDI-Wallet-Credential-Modell. Diese technische Arbeit ist anspruchsvoll — sie betrifft PKI, Kartenpersonalisierung und einen installierten Bestand an Kartenlesern — und ist der Hauptgrund, warum Spanien noch nicht in Stufe 1 steht. Öffentliche Testfenster sind angekündigt, eine bürgernahe Beta wird im weiteren Verlauf von 2026 erwartet. Die autonomen Gemeinschaften setzen einen weiteren Akzent: Regionale Regierungen betreiben eigene digitale Identitätsprogramme (Kataloniens idCAT, das BAK des Baskenlands), und der EUDI-Wallet-Rollout muss ein Koexistenzmodell finden, statt sie zu überrollen.
Deutschland — geplant für den 2. Januar 2027
Deutschland hat den Start seiner nationalen Wallet offiziell für den 2. Januar 2027 angesetzt — acht Tage nach der Frist aus Artikel 5a. Das Bundesministerium für Digitales (BMDS) und der Bitkom haben ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, mit dem sich mehr als 100 Unternehmen verpflichten, die Wallet zum Start zu integrieren — darunter die großen Banken, Telekommunikationsanbieter und Online-Händler. Die begleitende Bitkom-Umfrage lieferte den ernüchterndsten einzelnen Datenpunkt des gesamten Rollouts: Nur fünf Prozent der deutschen Verbraucher können erklären, was eine EUDI-Wallet ist. Die technische Reife ist hoch, die öffentliche Aufklärung nicht. Der Termin 2. Januar 2027 ist kein politisches Versäumnis, sondern Ausdruck einer methodischen Vorsicht: Das deutsche Programm hat sich für eine sorgfältige Abnahmephase entschieden, in der Sicherheitsprüfungen, BSI-Zertifizierung und ein abgestimmter Start mit den Großintegratoren Vorrang vor einem hektischen Last-Minute-Live-Gang vor Weihnachten haben. Diese Vorsicht hat institutionelle Wurzeln: Deutsche Verwaltungs-IT-Vorhaben werden traditionell so terminiert, dass die ersten Stunden nach Live-Gang nicht in eine Feiertagsphase mit dünner Personaldecke fallen — eine Kalenderlogik, die in Berlin seit Jahren Bestand hat und die jetzt gegen die Brüsseler Frist drückt. In der Praxis bedeutet das: Deutschland verfehlt die formale EU-Frist um wenige Tage, geht aber mit deutlich breiterer relying-party-Abdeckung an den Start als Mitgliedstaaten, die punktgenau zum 24. Dezember launchen. Der Bewährungstest liegt nicht im Termin, sondern in der Adoptionslücke, die die Bitkom-Zahlen offenlegen, und im Tempo, mit dem öffentliche Aufklärung und die ersten Endnutzer-Anwendungsfälle nach Januar 2027 nachziehen. Erfahrungswerte aus früheren deutschen Identitätsprojekten — vom nPA-Online-Ausweis bis zur eAU im Gesundheitswesen — zeigen, dass das stabile Plateau einer breiten Endnutzeradoption typischerweise zwölf bis achtzehn Monate nach Start eintritt; bezogen auf Januar 2027 deckt das das gesamte Jahr 2027 als Wachstumsphase. Für Händler mit deutschem Schwerpunkt empfiehlt sich, die BMDS-Bitkom-Programmkommunikation eng zu verfolgen, frühzeitig in das partnerseitige Onboarding einzusteigen und Integrationstests bereits gegen die deutschen Testumgebungen aufzusetzen, sobald deren SDK-Stand stabilisiert ist. Wer im ersten Halbjahr 2027 mit produktiver Akzeptanz starten will, sollte spätestens im vierten Quartal 2026 mit Sandbox-Testläufen beginnen. Drei Punkte verdienen für deutsche Händler besondere Aufmerksamkeit. Erstens die Frage, welche Credential-Typen zum Start verfügbar sind: PID ist gesetzt, das digitale Führerscheindokument vermutlich kurz danach, weitere Nachweise dürften gestaffelt folgen. Zweitens das Trust-List-Management: Deutschland wird voraussichtlich auf das BSI als nationale Zertifizierungs- und Vertrauensankerinstanz setzen, und Verifier müssen ihren Trust-Store entsprechend pflegen. Drittens die Frage der starken Nutzerauthentifizierung für Banken — die Akzeptanzpflicht aus Artikel 5f Absatz 2 liegt zwar erst Ende 2027, doch erfahrene deutsche Banken-Integratoren empfehlen, die wallet-basierten Authentifizierungsflüsse nicht erst zum Stichtag, sondern parallel zur Wallet-Pilotphase zu pilotieren.
Stufe 3 — Im Plan, öffentliches Testing
Irland — Ende 2026
Irland liegt im Plan. Das Department of Public Expenditure, NDP Delivery and Reform hat Konsultation und Tests für die Government Digital Wallet auf gov.ie eröffnet. Ein konkreter Schwerpunkt der Öffentlichkeitsbeteiligung ist die Altersprüfung: Die Konsultation behandelt explizit, wie die Wallet altersbeschränkte Onlinedienste unterstützen soll — ein nützliches Signal, dass Irland die händlerseitige Integrationsperspektive mitdenkt und nicht nur den Bürgercredential-Speicher. Ende 2026 ist das angegebene Ziel, und die öffentlichen Artefakte sind damit konsistent. Irland ist außerdem ein wichtiger Beobachtungspunkt für Händler im englischsprachigen Raum: Die Dokumentation erscheint früh auf Englisch, der Markt ist klein genug für überschaubare Pilotumfänge, und das irische Programm hat sich öffentlich auf nutzerfreundliche Onboarding-Flüsse festgelegt.
Niederlande, Schweden, Finnland, Dänemark, Österreich, Belgien
Dieses Stufe-3-Cluster bewegt sich grob auf den veröffentlichten Roadmaps. Die Niederlande bauen auf der bestehenden DigiD-Infrastruktur auf und haben die Wallet in die Architekturdiskussion zur GDI (Generieke Digitale Infrastructuur) integriert, was einen sauberen institutionellen Pfad vom Pilot in die Produktion gibt. Schweden, Finnland und Dänemark — die nordische Gruppe — koordinieren sich bei der Credential-Harmonisierung, nutzen ihre lange Tradition grenzüberschreitender digitaler Identitätskooperation über den Nordischen Rat und betreiben funktionierende Entwicklerprogramme. Österreich und Belgien liegen leicht hinter den Nordländern, signalisieren aber keinen Verzug. Keines dieser Länder dürfte zur frühen Adoptionsstory werden, keines aber den Termin schlicht verfehlen. Händler mit grenzüberschreitender Integrationsstrategie sollten einplanen, dass diese Wallets eher im zweiten oder dritten Quartal 2027 produktionsreif sind als zur formalen Marke Dezember 2026.
Stufe 4 — Verspätet oder unklar
Hier verschlechtert sich das Bild. Die derzeit in Stufe 4 stehenden Länder — Zypern, Bulgarien, Rumänien, Malta, Slowenien, Slowakei, Kroatien, Griechenland, Portugal, Estland, Lettland, Litauen, Tschechien, Ungarn und Polen — bilden ein gemischtes Feld. Manche, etwa Estland, verfügen über eine starke bestehende digitale Identitätsinfrastruktur (e-Estonia, Mobile-ID, Smart-ID), haben aber noch keinen klaren Migrationspfad zu einer Artikel-5a-konformen EUDI-Wallet veröffentlicht. Andere, etwa Griechenland und Portugal, haben politische Bekenntnisse abgegeben, ohne technische Architekturen oder Testfenster zu publizieren.
Der Beitrag von Biometric Update vom Dezember 2025, "Will the EUDI Wallet be ready in 2026? Experts say probably not", bringt den Konsens unter Praktikern auf den Punkt: Eine relevante Zahl von Mitgliedstaaten wird bis zum 24. Dezember 2026 formal eine Wallet starten, um Artikel 5a zu erfüllen, doch die Wallets dieser Stufe werden für mindestens zwölf Monate nach Start dünne Hüllen bleiben — wenige Credential-Typen, schmale Anwendungsfälle, minimale Händlerintegration.
Ungarn und Polen verdienen gesonderte Aufmerksamkeit. Beide verfügen über substanzielle bestehende eID-Bestände (Ügyfélkapu beziehungsweise mObywatel) und haben Compliance-Absicht signalisiert, doch keiner hat eine technische Roadmap veröffentlicht, gegen die ein Händler oder Verifier heute planen könnte. Polens mObywatel-App ist innerstaatlich weit verbreitet, ihr Credential-Modell deckt sich aber noch nicht mit der EUDI-Wallet-Spezifikation, und die Integrationsarbeit ist nicht trivial. In Ungarn bindet die Migration von Ügyfélkapu zu Ügyfélkapu+ den Großteil der verfügbaren Kapazitäten in 2026, und über die Verbindung des Personalausweises (eSzemélyi) mit dem EUDI-Rahmen ist öffentlich kaum belastbares verfügbar — KAÜ-bezogene Kommunikationen blieben bislang auf hohe Ebene beschränkt. Estland ist der interessanteste Fall dieser Stufe, weil die bestehende Identitätsfähigkeit in vielen Punkten reifer ist als das, was die EUDI-Wallet spezifiziert; die strategische Frage lautet Integration versus Parallelbetrieb, nicht Greenfield-Bau. Ein estnischer e-Resident tut 2026 bereits, was den meisten EU-Bürgern für 2027 in Aussicht gestellt wird.
Die ehrliche Einschätzung für Stufe 4 lautet: Der Termin Dezember 2026 wird formal erfüllt, substanziell jedoch nicht. Zu erwarten sind Starts, bei denen Bürger eine App herunterladen und ein Basis-Credential ablegen können, während das breitere Ökosystem aus Issuern und relying parties bis weit in das Jahr 2027 hinein nicht aufholt.
Was das für grenzüberschreitende Händler bedeutet
Wer eine Kasse oder einen altersgeschützten Dienst betreibt, der EUDI-Wallets über mehrere Mitgliedstaaten hinweg akzeptieren muss, dem geben die nächsten zwei Quartale eine klare Linie vor.
Integrationstests gegen heute live oder testbare Wallets priorisieren. IT-Wallet in Italien ist das mit Abstand wichtigste Ziel, denn es liegt in Bürgerhand und wird die erste Wallet sein, die echte Nutzer vorlegen. Die France-Identité-Sandbox ist die nächste Priorität, weil die Entwicklerdokumentation öffentlich, die OpenID4VP-Flüsse gut spezifiziert und Frankreich als Markt groß genug für eigene Arbeit ist. Die deutschen Testumgebungen und die aus dem BMDS-Bitkom-Programm hervorgehende Dokumentation sind die dritte Priorität und sollten spätestens im dritten Quartal 2026 auf der Roadmap stehen.
Mit asymmetrischem Rollout planen. Die Händler, die die ersten achtzehn Monate der EUDI-Wallet-Akzeptanz gewinnen, werden 2026 gegen drei oder vier nationale Implementierungen testen — nicht jene, die auf einen einzigen harmonisierten Rollout warten, der nicht kommt. Wallets der Stufe 4 werden bis spät in 2027 hinein nicht produktionsreif für grenzüberschreitende Verifikation sein, auch wenn sie formal pünktlich starten. Kundenservice und Betrugsregeln entsprechend planen: Die Fehlermeldung „Wallet nicht erkannt" wird in Bulgarien oder der Slowakei lange ein echtes UX-Problem sein, wenn sie es in Mailand oder Lyon längst nicht mehr ist.
Für volumenstarke Verifier sind die Kosten mehrerer nationaler Integrationen real, aber begrenzt. Die OpenID4VP-Protokollebene ist über die Implementierungen hinweg konsistent; die Divergenz liegt im Trust-List-Management, in der Credential-Format-Unterstützung (mdoc gegenüber SD-JWT) und in den spezifischen Issuer-Registern, die jeder Mitgliedstaat unterhält. Wer auf diese Abstraktion baut, hält die marginalen Kosten pro Land beherrschbar. Praktisch heißt das: ein einziger OpenID4VP-Verifier-Endpunkt, ein länderspezifischer Trust-List-Resolver und ein Credential-Parser, der sowohl ISO/IEC-18013-5-Mobiledokumente (das Format, mit dem Italien und Deutschland führen) als auch SD-JWT-VCs (das Format, das Frankreich und mehrere Stufe-3-Länder betonen) verarbeitet. Diesen Kern einmal bauen — und der Anschluss eines weiteren Mitgliedstaates wird zur Konfigurationsänderung, nicht zur Re-Architektur.
Die Realität nach der Frist
Selbst dort, wo am 25. Dezember 2026 Wallets existieren, bleibt die grenzüberschreitende Interoperabilität das ungelöste Problem. Das POTENTIAL-Pilotkonsortium berichtete im November 2025, dass gemeinsame Standards auf dem Papier existieren, aber von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat mit genug Variation umgesetzt werden, um reale grenzüberschreitende Flüsse zu brechen. Ein französischer Bürger mit France-Identité-Credential sollte dieses einem italienischen Verifier vorlegen können — und die Prüfung sollte gelingen. Im Pilot funktionierte das mal, oft nicht und benötigte Hand-Holding selbst dort, wo es klappte.
Die Realität nach der Frist ist daher: Das EUDI-Wallet-Ökosystem wird für den Großteil von 2027 live, partiell und uneinheitlich sein. Die Länder, die früh erfolgreich sind, werden jene sein, die pragmatische Integrationsentscheidungen treffen, statt auf eine perfekte grenzüberschreitende Erzählung zu warten.
Aktualisierungshinweis
Diese Übersicht ist ein lebendes Dokument. Wir veröffentlichen sie quartalsweise bis 2027 erneut, mit Zwischenupdates, sobald ein Stufe-1- oder Stufe-2-Land einen relevanten Meilenstein überschreitet — ein bürgerreifer Start, eine Sandbox geht öffentlich, oder ein dokumentiertes Artikel-5b-Register geht in Betrieb. Das nächste vollständige Update ist für Juli 2026 geplant, vor dem Umsetzungsschub im Herbst. Wir verfolgen außerdem Bewegungen in Stufe 4 mit besonderer Aufmerksamkeit, weil dort die meisten Statuswechsel zu erwarten sind. Wenn Sie eine Länderlage sehen, die sich seit Veröffentlichung wesentlich verändert hat: Maßgebliche Quelle unserer Aktualisierungen ist der eIDAS Pro Blog.
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